Bausellenbüro mit einem Modell einer Baustelle

Was ist Nachtragsmanagement?

In unserem Blog geht es immer wieder ums „Nachtragsmanagement“.

Und wir bieten ein Online-Seminar im „Nachtragsmanagement“ an.

Häufig hört man dafür auch die Begriffe „Claims Management“, „Claim Management“ oder „Nachforderungsmanagement“.

Was aber ist das genau?

Nachträge nach SIA-118

Wenn man in der SIA-Norm 118 nachschlägt, stellt man schnell fest: Der Begriff „Nachtrag“ kommt in dieser Norm nicht vor.

Die Rede ist lediglich von „Nachtragspreisen“. Diese stehen im Zusammenhang mit Bestellungsänderungen nach Art. 84 ff. SIA-Norm 118.

Bei Bestellungsänderungen ist der Ablauf meist so, dass der Unternehmer – nachdem der Bauherr die Bestellungsänderung ausgelöst hat – die Nachtragsofferte stellt. Können sich die Parteien darauf einigen, wird das in einer beidseitig unterzeichneten Vertragsergänzung festgelegt, dem sogenannten «Nachtrag».

In der Praxis werden Nachträge aber nicht nur für Bestellungsänderungen vereinbart, sondern für eine Vielzahl von Nachforderungen des Unternehmers. Nach der hier vertretenen Meinung würde daher es zu kurz greifen, den Begriff „Nachtrag“ auf Bestellungsänderungen beschränken zu wollen.

So definiert etwa auch die KBOB den Nachtrag als Vertragsergänzung infolge eines begründeten Mehr- oder Mindervergütungsanspruchs des Unternehmers, ohne dies an einer Bestellungsänderung festmachen zu wollen.

So betrachtet kommen für einen Nachtrag also auch weitere Anspruchsgrundlagen in Frage, etwa Mehrvergütungs- und Terminerstreckungsansprüche infolge einer Verletzung der Mitwirkungsobliegenheiten des Bauherrn (Art. 96 SIA-Norm 118) oder Beschleunigungsmassnahmen ohne Verschulden des Unternehmers nach Art. 95 Abs. 3 SIA-Norm 118. Entsprechend wichtig ist es beim Nachtragsmanagement, die Anspruchsgrundlagen und ihre Voraussetzungen zu unterscheiden.

Schwierigkeiten werden regelmässig erst dann sichtbar, wenn sich die Parteien nicht auf einen Nachtrag einigen können. Dies kann verschiedene Ursachen haben. Also zum Beispiel:

  1. Der Baustart verschiebt sich. Der Unternehmer muss kurzfristig umdisponieren, Mitarbeiter können nicht beschäftigt werden, Maschinen stehen ungenutzt herum. Der Unternehmer stellt einen Nachtrag, aber der Bauherr lehnt ihn ab.
  2. Kurz vor Ausführung soll plötzlich ein Steinboden statt des bestellten Parketts eingebaut werden. Der Unternehmer stellt hastig einen Nachtrag. Dann stellt sich heraus, dass der Bauherr gemäss Vertrag 60 Tage Zeit zur Prüfung des Nachtrags hat.
  3. Die Arbeit des Vorunternehmers ist mangelhaft. Der Unternehmer kann nicht weitermachen, ohne dass es einen Pfusch gibt, nur die Bauleitung hört nicht zu.

Und was geschieht jetzt?

Von den nächsten Schritten hängt alles ab. Wer seine Ansprüche bewahrt – oder nicht. Ob es zu Folgekosten kommt – oder nicht. Das sind Entscheide, die nicht rückgängig gemacht werden können und es steht einiges auf dem Spiel.

Die Erfahrung zeigt, dass die Folgen aus Streitigkeiten schnell mehr kosten können als die streitige Nachtragsforderung selbst. Eine Konsequenz, die weder für den Bauherrn noch für den Unternehmer erstrebenswert sein kann.

Und doch gibt es eine Reihe von Lösungsversuchen, die regelmässig scheitern und trotzdem weit verbreitet sind.

Dazu mehr im nächsten Beitrag.

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