Bausellenbüro mit einem Modell einer Baustelle

Was ist Nachtragsmanagement?

Leitfaden APB-Methode gratis zum Download

Einführung in die APB-Methode als E-Book

PDF in A5-Format

Hier klicken

In unserem Blog geht es immer wieder ums „Nachtragsmanagement“.

Und wir bieten ein Online-Seminar im „Nachtragsmanagement“ an.

Häufig hört man dafür auch die Begriffe „Claims Management“, „Claim Management“ oder „Nachforderungsmanagement“.

Was aber bedeuten diese Begriffe überhaupt?

Claim Management

Der Ausdruck „Claim Management“ stammt aus dem Englischen. Auf Deutsch heisst „Claim“ nichts anderes als „Forderung“.

Eine Forderung ist ein klagbares Recht auf Leistung. Leistet der Schuldner nicht, so kann der Gläubiger eine Forderung vor Gericht durchsetzen und hat ein Recht auf Vollstreckung des Urteils. Damit eine solche Forderung entsteht, braucht es eine Anspruchsgrundlage, etwa:

  • Vertrag (Art. 1 OR ff.);
  • Unerlaubte Handlung (Art. 41 ff. OR; «Schadenersatz»); oder
  • Ungerechtfertigte Bereicherung (Art. 62 ff. OR).

«Claim Management» bedeutet in diesem Zusammenhang also die Führung, Leitung und geschickte Behandlung von vertraglichen und ausservertraglichen Forderungen.

Solche Forderungen betreffen nicht nur den Bauwerkvertrag, sondern sämtliche Rechtsverhältnisse einer Unternehmung. Der Begriff ist also sehr weit gefasst.

Nachtrag nach SIA-118

In der Praxis werden Nachträge gestellt, wenn im Zuge der Bauausführung eine Anpassung der Leistung, des Werkpreises oder der Termine erforderlich erscheint. Oft ist auch von einer „Nachforderung“ oder einer „Nachtragsofferte“ die Rede.

Juristisch sind dabei zwei Elemente zu unterscheiden:

  1. Forderung / Claim: Die Forderung auf Anpassung der Leistung, der Preise oder Termine bedarf immer einer Anspruchsgrundlage. Im Kontext von Bauwerkverträgen kommen etwa Bestellungsänderungen, Säumnis des Bauherrn oder Beschleunigungsmassnahmen in Frage.
  2. Einigung über Forderung: Können sich die Parteien über den Umfang der Forderung einigen, dann halten sie dies in einer schriftlichen Vertragsergänzung fest, dem sog. „Nachtrag“ («Genehmigt» oder «Gut zur Ausführung»). Können sich die Parteien nicht einigen, entscheidet das Gericht über die Forderung.

Nachträge dienen also dazu, Nachforderungen in Form einer Vertragsergänzung zu bereinigen und somit die Rechtssicherheit wieder herzustellen.

Der Vollständigkeit halber sei hier erwähnt, dass die SIA-Norm 118 den Begriff „Nachtrag“ nicht verwendet. Die Rede ist lediglich von „Nachtragspreisen“ im Zusammenhang mit Bestellungsänderungen nach Art. 84 ff. SIA-Norm 118.

Herausforderungen im Nachtragsmanagement

Schwierigkeiten werden regelmässig erst dann sichtbar, wenn sich die Parteien nicht auf einen Nachtrag einigen können. Dies kann verschiedene Ursachen haben. Also zum Beispiel:

  1. Der Baustart verschiebt sich. Der Unternehmer muss kurzfristig umdisponieren, Mitarbeiter können nicht beschäftigt werden, Maschinen stehen ungenutzt herum. Der Unternehmer stellt einen Nachtrag, aber der Bauherr lehnt ihn ab.
  2. Kurz vor Ausführung soll plötzlich ein Steinboden statt des bestellten Parketts eingebaut werden. Der Unternehmer stellt hastig einen Nachtrag. Dann stellt sich heraus, dass der Bauherr gemäss Vertrag 60 Tage Zeit zur Prüfung des Nachtrags hat.
  3. Die Arbeit des Vorunternehmers ist mangelhaft. Der Unternehmer kann nicht weitermachen, ohne dass es einen Pfusch gibt, nur die Bauleitung hört nicht zu.

Und was geschieht jetzt?

Von den nächsten Schritten hängt alles ab. Wer seine Ansprüche bewahrt – oder nicht. Ob es zu Folgekosten kommt – oder nicht. Das sind Entscheide, die nicht rückgängig gemacht werden können und es steht einiges auf dem Spiel.

Die Erfahrung zeigt, dass die Folgen aus Streitigkeiten schnell mehr kosten können als die streitige Nachtragsforderung selbst. Eine Konsequenz, die weder für den Bauherrn noch für den Unternehmer erstrebenswert sein kann.

Und doch gibt es eine Reihe von Lösungsversuchen, die regelmässig scheitern und trotzdem weit verbreitet sind.

Dazu mehr im nächsten Beitrag.

Druckerfreundliche Version