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Schach - Strategie

3 verbreitete Nachtragsstrategien, die mehr schaden als nützen

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Im letzten Beitrag sind wir der Frage nachgegangen, was Nachtragsmanagement resp. Claim Management ist.

Und wir sprachen darüber, dass einige verbreitete Strategien dem Unternehmer mehr schaden als nützen, wenn ein Nachtrag streitig wird.

Aber welche sind das? Und wann sollte man besser vorsichtig sein?

Hier sind drei häufige Fehler:

Strategie 1: Nachtrag unter Protest ausführen

Wird ein Nachtrag resp. Claim abgelehnt, ist die Zeit meist knapp. Es besteht die Gefahr, dass Nachtragsstreitigkeiten von der Baustelle überholt werden.

Die Verlockung ist in dieser Situation gross, den Nachtrag zähneknirschend auszuführen und den Streit auf später zu verschieben. Das könnte sich aber rächen. Denn ein „Später“ wird es manchmal nicht geben. „Später“ sind einige Ansprüche schon verwirkt.

Für den Nachtrag aus Bestellungsänderung zum Beispiel („Change Order“), ist in vielen Verträgen ein Genehmigungsvorbehalt vorgesehen. Dieser besagt, dass die Bestellungsänderung vor Ausführung mit Kosten und Terminfolgen vom Bauherrn genehmigt werden muss. Ansonsten verliert der Unternehmer seine Ansprüche.

Eine Ausführung unter Protest ersetzt diese Genehmigung nicht. Denn der Protest kommt vom Unternehmer, die Genehmigung müsste vom Bauherrn kommen.

Führt der Unternehmer die Bestellungsänderung in dieser Situation aus, riskiert er also, seinen Anspruch zu verlieren.

Strategie 2: Mit Baustopp drohen (ohne korrekte Massnahmen zu treffen)

Wenn die Ausführung unter Protest keine Patentlösung ist, steht als letzte Massnahme oft der Baustopp zur Debatte.

Auch diese Strategie ist verbreitet. Sie kann funktionieren. Und ganz sicher wird sich auch der Bauherr gut überlegen müssen, ob er es soweit kommen lassen will. Ist der Baustopp aber nicht rechtmässig, dann trägt der Unternehmer die Folgen am Ende selbst.

Machen wir ein Beispiel:

Wird der Unternehmer in seiner Ausführung behindert, dann braucht es eine rechtsgültige Anzeige nach SIA 118 resp. Obligationenrecht. Die Anzeige bringt aber nichts, wenn der Unternehmer die Mehrkosten und Terminfolgen aus der Baubehinderung nicht nachweisen kann. Oder das Risiko für diese Baubehinderung ohnehin beim Unternehmer liegt.

Mit dem Baustopp zu drohen oder diesen gar umzusetzen, ist also ein zweischneidiges Schwert. Und erfordert flankierende Massnahmen, die gut beherrscht werden sollten. Dieses Wissen kann über Schulungen erarbeitet werden, wie etwa mit unserem Online-Seminar „Nachtragsmanagement: AVOR„.

Strategie 3: Den Streit delegieren

Damit sind wir bereits bei der dritten beliebten Strategie. Sie ist zwar nicht grundsätzlich falsch. Kann aber ziemlich kontraproduktiv werden. Die Delegation des Streits.

Zugegeben, streiten ist unangenehm. Vor allem, wenn daneben eine Baustelle am Laufen gehalten werden muss. Wäre es also nicht ideal, wenn man den Streit einfach „abgeben“ könnte? In Frage kommen dafür z.B. die höhere Hierarchiestufe, ein Claim- oder Contract Manager oder ein Anwalt.

Auch wenn dieser Gedanke verlockend klingt – diese Delegation kann sich in zweierlei Hinsicht als Fehler entpuppen:

1. braucht die Delegation Zeit. Akten müssen zusammengesucht werden, Termine gefunden werden, die Situation geklärt werden. Das ist Zeit, die in einer akuten Nachtragssituation meist fehlt. Das wäre so, als würde man auf die Ambulanz warten, anstatt Erste Hilfe zu leisten.

2. gibt es eine Reihe von Aufgaben, die schlecht oder gar nicht delegiert werden können:

  • Treffen von Massnahmen, die vor dem Streit erforderlich sind
  • Erkennen von Bestellungsänderungen und Behinderungen
  • korrektes Anzeigen und Abmahnen von Ereignissen nach SIA 118 und Obligationenrecht
  • Kalkulation der Mehrkosten
  • baubegleitende Dokumentation der Auswirkungen auf der Baustelle
  • Nachweis der Terminfolgen
  • Anpassung des Bauprogramms
  • etc.

Diese Aufgaben bilden das Rückgrat eines jeden Nachtrags. Ohne sie gibt es keine Grundlage, auf der es eine Einigung geben könnte. Und sie alle laufen über die Baubeteiligten vor Ort. Das sollte man bei der Delegation immer im Hinterkopf behalten.

Wenn nun diese Strategien sich als Fehler erweisen können, was für Alternativen gibt es dann?

Dazu mehr im nächsten Beitrag.